-   Die Primus

Im Jahr 2003 waren von den Ende der 1970iger Jahre ca. 16 deutschen Hochseeschleppern und 8 AHT's nur noch die OCEANIC, FAIRPLAY IX und FAIRPLAY XIV übrig geblieben. Der letzte Neubau war 1977 Bugsier's CARIBIC. Alle Neubauten seitdem waren maximal für "restricted international service" (max. 200 sm vor der Küste) klassifiziert. Entsprechend war die Überraschung, als Harms Bergung Transport & Heavylift GmbH & Co. KG aus Hamburg Anfang 2004 den Bau eines Hochseeschleppers ankündigte:

AHT PRIMUS

-   Projektablauf

MAN-Ferrostaal in Essen betrieb für Harms das Projekt. Im Dezember 2003 schlossen Ferrostaal und WorldWise Marine (ex. Wijsmuller Engineering) einen Vertrag über die Lieferung eines Vorentwurfs für einen Hochseeschlepper/AHT mit 100 t Pfahlzug. Das Ergebniss kann seine Verwandtschaft mit den 1976 gebauten Schleppern Tempest und Typhoon nicht verleugnen. Nach dem gleichen Entwurf lässt Ferrostaal in Ägypten den Schlepper PORT SAID für die Suez Kanal Verwaltung bauen. Der Bauentwurf wurde an die Hitzler-Werft in Lauenburg und der Bauauftrag im Frühjahr 2004 an die Mützelfeldtwerft in Cuxhaven vergeben, an der Ferrostaal beteiligt ist. Der 12.Juli 2004, der Tag der Kiellegung, war ein besonderer Tag für die Werft, wurde doch nach mehr als 10 Jahren erstmals wieder auch der Rumpf in Cuxhaven gebaut. Am 4. Oktober 2004 hob der 1.600 t -Schwimmkran Taklift 4 den Rumpf ins Wasser und setzte zwei Tage später das Deckshaus auf. Die Taufe fand am 4. Dezember 2004 statt und am 31.Dezember 2004 wurde PRIMUS vertragsgemäß dem Eigner übergeben. Die Pfahlzugtests sollten auf Wunsch des Eignes wegen der günstigen Randbedingungen in Stavanger stattfinden. Schlechtwetter in Norwegen verzögerte die Tests bis Mitte Januar 2005. Am 17. Januar kehrte PRIMUS nach erfolgreichen Pfahlzugtests aus Stavanger nach Cuxhaven zurück. Erster Auftrag war dann Anfang Februar 2005 die Verschleppung des Containerfeeders DETTIFOSS, der am 28. Januar 2005 sein Ruder verloren hatte, von Island zum Docken nach Rotterdam.


-   Beschreibung

Die AHT PRIMUS ist als konventioneller Hochseeschlepper/AHT mit zwei Wärtsilä 4D845 Verstellpropellern in festen Lips HR Düsen ausgestattet. Vor jedem Propeller ist ein Becker Hochleistungsruder angeordnet. Der Rumpf hat Spanten im Abstand von 600mm und ist mit Blechen von 12 bis 16mm beplankt, teilweise mit Verstärkungen bis 30mm. Angetrieben wird PRIMUS von zwei Schweröl tauglichen Dieselmotoren Typ MaK 9M25 mit je 2970 kW bei 750 U/min, die am hinteren Ende über Reintjes Getriebe mit den Schraubenwellen verbunden sind. Es wird ein Dauerpfahlzug von 104 t und ein maximaler Pfahlzug von 108 t bei 110% Maschinenleistung erreicht. Der Brennstoffverbrauch beträgt 20m³/Tag bei ökonomischer Fahrt von 14 Kn und 26m³ bei maximaler Geschwindigkeit von 16,5 Kn. Die Bunkerkapazität beträgt 227 m³ Dieselöl und 475 m³ Schweröl. Das Wärtsilä-Lips Bugstrahlruder ist elektrisch angetrieben und liefert bei 400 kW einen Schub von 4,5 t. Die beidem Kumera Feuerlöschpumpen sind an das vordere Ende der Hauptmaschinen gekoppelt. Sie leisten 1.200 m³/Std bei mindestens 13 bar und versorgen zwei Monitore und die Selbstschutzsprühanlage. Das System entspricht FiFi1 und wurde von Fire Fighting Systems A/S aus Norwegen geliefert.


Backdeck:

Hier ist eine Hatlapa Ankerwinde mit zwei Spillköpfen angeordnet. Die Anker sind vom Typ "High Holding Power" mit 1260 kg Gewicht und hängen an 550 m Ankerkette mit 34 mm Durchmesser. Ein Ersatzanker ist vorhanden.


Zwischendeck:

Es liegt unter dem Backdeck. An seinem achteren Ende sind auf der Steuerbordseite das Arbeits-/MOB-Boot vom Typ Zodiak RIBO 420 für 6 Personen mit dem Davit von International Davits angeordnet. Gegenüber auf der Backbordseite sind ein Grapnel für Ankerarbeiten und der Effer Kran 65000-3LS mit 5 t SWL bei 11,5m Ausladung vorgesehen.


Haupt-/Achterdeck:

Hier ist die Hatlapa AH-1000 Wasserfall-Schleppwinde mit 250 t Haltekraft angeordnet. Unten sind zwei Trommeln mit 300m bzw. 800m Stahldraht von 70mm Durchmessen. Auf der oberen Trommel werden 1200m des gleichen Drahts gefahren. Die Zugkraft der Winde beträgt 100 t bei 15m/min und 5 t bei 60m/min. Um die Winde herum ist eine Stahlrahmenkonstruktion angeordnet, die es erlaubt, oberhalb der Schleppwinde einen Container oder eine Speicherwinde abzusetzen. Der freie Bereich des Achterdecks ist mit Holzplanken belegt und seitlich durch je eine Ladereling begrenzt. Zwischen Ladereling und Schanzkleid ist die erforderliche Decksausrüstung angeordnet, u.a. auch zwei Hatlapa Tuggerwinches mit 10 t Zug bei 15m/min. Für Ankerzieharbeiten ist eine Heckrolle von 3,00m Breite mit 2,15 m Durchmesser mit 250 t SWL eingebaut. Davor sind Karmoy Forks und Pins mit 300 t SWL (safe working load) angeordnet.


Brückendeck:

Es liegt oberhalb des Zwischendecks und trägt das Steuerhaus. Die Steuerelemente sind ein einer Konsole eingebaut, die über die volle Breite an der Vorderfront angeordnet ist. Ein zweiter Steuerstand ist achtern mit Blick auf Schleppwinde und Achterdeck vorgesehen. Die Navigationsausrüstung entspricht dem höchsten technischen Standard. Unter anderem sind zwei ARPA-Radargeräte mit elektronischer Seekartendarstellung von SAM Electronics vorhanden. Auf dem Dach des Steuerhauses (Topdeck) sind drei ferngesteuerte Suchscheinwerfer eingebaut. Am achteren Ende sind an Backbord und Steuerbord je zweiViking Rettungsinseln vorhanden. Ebenfalls lag dort anfangs der J-Hook, der inzwischen an den Schleppbock angeflanscht ist.

Radarplattform:
Sie ist oberhalb des Topdecks im Mast angeordnet und trägt u.a. die Feuerlöschmonitore.


Unterbringung:

Die PRIMUS fährt regulär mit 10 Mann Besatzung, wobei Unterkünfte für 18 Personen vorhanden sind. Auf dem Hauptdeck sind im vorderen Bereich vier Kabinen für 6 Personen sowie Galley und Messe sowie ein Krankenbereich angeordnet. Die restlichen Unterkünfte sind auf dem Zwischendeck eingeplant. Kapitän und 1.Ingenieur haben dabei Kabinen mit eigener Nasszelle. Die Unterkünfte sind voll klimatisiert.


-   Einsätze

PRIMUS wurde bisher überwiegend im europäischen Offshoregeschäft eingesetzt. Es sind aber auch Verschleppungen von Pontons aus Arbatrax (Sardinien), des 8.000 t Kranschiffes Svanen aus Malmö jeweils nach Rotterdam sowie eines Docks von Rotterdam nach Polen durchgeführt worden. Zwischen den Jobs lag PRIMUS gelegentlich in Cuxhaven oder Rotterdam. Im November 2005 soll PRIMUS eine 10 monatige Charter mit Option auf Verlängerung in Mexico antreten.


-   Modifikationen und Abmessungen

Zwischenzeitlich hat PRIMUS geringfügige bauliche Veränderungen erfahren. Sehr früh schon wurden die Decks farblich neu gestaltet. Sie wurden von rot auf dunkelgrün geändert. Im September wurden das Schanzkleid neben der Heckrolle flacher gestaltet und Änderungen am Schleppbock vorgenommen.

Hauptabmessungen:
Länge ü.A.: 48,87 m
Breite ü.A.: 13,80 m
Tiefgang: 05,20 m
Seitenhöhe: 07,00 m auf halber Schiffslänge
Entwurfstiefgang: 06,20 m
Vermessung: 1.262 GRT
Verdrängung: ca. 2.500 t
Zuladung: ca. 1.000 t

Quellen:
Lekko International,
Mützelfeldtwerft



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Primus an der Parkkade in Rotterdam Aufbau Stb-Seite
Backdeck mit Ankerwinde Achterdeck
Bugansicht von Brücke und Mast Effer-Kran
Bb-Seite des Aufbaus Die HATLAPA-Ankerwinde
HATLAPA-Schleppwinde HATLAPA-Tuggerwinch
Der Mast in Heckansicht Grapnel
Rückansicht der Brücke mit Radarplattform MOB-Boot mit Davit
Karmoy-Forks und Pins eingefahren... ....und ausgefahren
Feuerlöschmonitor Schleppbock mit Winde
Smit Brackett J-Hook
Bb-Rettungsinseln Heck mit Rolle
Teilansicht vorderer Fahrtstand Teilansicht hinterer Fahrstand
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