-   Die FAIRPLAY Schlepper

Nachdem Kotug 1996 in den deutschen Schleppmarkt eintrat, entschloss sich Fairplay Schleppdampfschiffs-Reederei&xnbsp;Richard Borchard GmbH (Fairplay) Anfang 1997 im Gegenzug nach Rotterdam zu gehen. Dafür wurden vier ASD Schlepper in Vigo, Spanien bestellt. In den folgenden Jahren wurde das Geschäft weiter ausgeweitet, zuletzt 2008 nach Antwerpen. Die dafür erforderlichen Schlepper wurden teilweise gebraucht gekauft oder gechartert. Im August 2005 werden dann zwei Neubauten bei Astilleros Armon in Spanien, bestellt. Nach den Erfahrungen mit der zuerst ausgelieferten FAIRPLAY III wurden im Herbst 2007 zwei weitere Schlepper gleichen Typs bei Astilleros Armon nachbestellt. Die insgesamt vier Schlepper kommen mit folgenden Namen in Fahrt:

FAIRPLAY I
FAIRPLAY III
FAIRPLAY X
FAIRPLAY XIV

-   Projektabwicklung

Der Entwurf und die Ausführungsplanung wurden durch Cintranaval-Defcar in Spanien durchgeführt. Grundlage dafür war ein Konzeptvorschlag der Werft Astilleros Armon. Gebaut wurden die Schlepper in Navia in Spanien. Neben Fairplay bestellte anfangs auch URS, damals eine 50%ige Fairplay Beteiligung zwei Schlepper des gleichen Typs, die UNION AMBER und UNION JADE. Sie unterscheiden sich z.B. durch die fehlende Eisverstärkung und unterschiedliche Brückenausrüstung von den Fairplay Schleppern. Als erstes wurde die FAIRPLAY III im Mai 2007 in Rotterdam in Dienst gestellt. Die FAIRPLAY I folgte im September 2007 in Hamburg. Der erste der nachbestellten Schlepper wurde im August 2009 übernommen und wird in Hamburg eingesetzt. FAIRPLAY I wurde daraufhin nach Rotterdam und FAIRPLAY III nach Antwerpen verlegt. Etwa zur gleichen Zeit lief in Navia der letzte Schlepper der Serie, die FAIRPLAY XIV vom Stapel, sie soll im Oktober abgeliefert werden. In die zweite Serie wurden die ersten Erfahrungen aus dem Betrieb der ersten Schlepper eingearbeitet. So wurde das Unterwasserschiff mit einem verbesserten Skeg versehen, um die Kursstabilität bei Rückwärtsfahrt zu verbessern. Dieser Skeg wurde von Fairplay in Zusammenarbeit mit der zum Konzern gehörenden Buschmann-Werft entwickelt.


-   Beschreibung
Allgemein:

Die vier Schlepper sind typische ASD-Schlepper mit den Ruderpropellern unter dem Heck. Der Knickspantrumpf hat zwei Knicke, die sich bis ins Heck fortsetzen. Der Rumpf hat 500mm Spantabstand und ist in 5 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Zwischen den Knicken ist mittschiffs ein Schlingerkiel montiert. Ein zweiter, kleinerer Schlingerkiel folgt dem oberen Knick fast über die ganze Länge. Rumpf und Antriebsanlage sind gemäß Eisklasse 1C des Bureau Veritas verstärkt. Das entspricht Eisklasse E1 des Germanischen Lloyd. Die Ruderpropeller sind ca. 3,5m vom Heck montiert und dabei um etwa 3° nach hinten gekippt, um die Winkel der Kardangelenke zu verringern und die Antriebsleistung zu verbessern. Die beiden Schottel Ruderpropeller sind vom Typ SRP 1515 FP mit Festpropellern von 2,70m Durchmesser, die in Düsen laufen. Die Ruderpropeller ragen dabei um ca. 0,80m unter dem Rumpf heraus. Im Totholz/Skeg unterscheiden sich die beiden Bauserien. Bei der ersten beginnt das Totholz hinter der Bugrundung und endet ca. 6m vor dem Heck. Die zweite Bauserie hat stattdessen einen angedeuteten, flachen Bugwulst erhalten, dafür endet das Totholz bereits ca. 8m vor dem Heck. Das Totholz geht am achteren Ende bei beiden Bauserien ca. 15cm tiefer als die Ruderpropeller und bietet so einen gewissen Schutz für die Antriebe im Falle einer Grundberührung. Die Ruderpropeller werden von zwei ABC Dieselmotoren des Typs 8MDZC 4-Takt mit je 1.850KW (2,516PS) bei 1000U/min über Kardanwellen angetrieben. Zwischen Motor und Kardanwelle ist eine Marine Control Drive (MCD) Kupplung von Twin Disc Inc., USA, eingebaut. Mit dieser Motorisierung erreichen die vier Schlepper eine maximale Freifahrtgeschwindigkeit von ca. 12kn und maximale Pfahlzüge von 70t vorwärts. Die Bunkerkapazität beträgt 164m3 Diesel, ausreichend für eine Fahrzeit von ca. 12 Tagen. Die Schlepper sind vollklimatisiert. Die Schlepper sind von der See-Berufsgenossenschaft und Bureau Veritas klassifiziert und haben die Klasse BV + HULL + MACH, TUG, AUT UMS, ICE 1C, UNRESTRICTED SERVICE erhalten.


Tank Top Deck:

Die Vorpiek beherbergt Wassertanks, Lagerfläche und zwei Kettenkästen. Im Maschinenraum sind neben den Hauptmaschinen zwei Generatorsets mit 180kVA Ausgangsleistung auf der Schiffsmittellinie eingebaut, die von Scania Dieselmotoren des Typs D 9 95M 10-40 mit 196kW Leistung angetrieben werden. Der vordere der beiden ist für den Hafenbetrieb in einem Schallschutzgehäuse untergebracht. Ein spezieller Hafengenerator wurde so eingespart. Außerdem sind vorne zwei Hydraulikpumpen für die Schleppwinde angeordnet. Es folgen ein Lagerraum mit Werkbank, der Ruderpropellerraum mit den beiden Schottel Getriebe- und Steuerungseinheiten und die Achterpiek mit wiederum Wassertanks.


Hauptdeck:



Vordeck: Vor dem Aufbau ist auf der Back eine hydraulisch betriebene kombinierte Anker- und Schleppwinde Typ SLH150.20/2-2-2 der Firma Brusselle Marine Industries montiert. Sie hat zwei Trommeln, zwei Kettennüsse und zwei Spillköpfe. Eine Trommel ist mit 90m Kunstfaserseil und 15m Stahlvorläufer für den Hafenbetrieb belegt, die andere wird mit einem konventionellen Hafengeschirr aus 90m Draht von 52mm Durchmesser, Recker und Drahtvorläufer oder einem Seedraht ausgerüstet. Die Trommeln haben Zugkräfte von 44t bei 0-10m/min, 8,5t bei bis zu 44m/min und maximal 6t bei bis zu 50m/min. Die Haltekraft beträgt 180t und bei Nässe 160t. Die Winde arbeitet spannungsregulierend, d.h. in Abhängigkeit von der gemessen Seilkraft wird das Seil automatisch ausgegeben oder eingeholt, um die Kraft im voreingestellten Rahmen zu halten. Kettenstopper sind vor der Winde eingebaut. Vor der Winde ist ein hoher Schleppbock ins Schanzkleid integriert. Die Winde wird auch benutzt, wenn über das Heck geschleppt wird. Dazu wird der Schleppdraht durch einen Tunnel im Aufbau nach achtern geführt.

Aufbau: In dem ca. 1m hohen Decksbereich neben dem Tunnel sind Teile der Klimaanlage, Farblast, ein weiterer Lagerraum und der Batterieraum untergebracht. Oberhalb sind an Backbord die Kombüse und Messe angeordnet. An der Steuerbordseite und an der Vorderfront liegen drei Doppelkabinen mit einer Sanitäranlage in der Mitte. Keine der Kabinen hat eine eigene Sanitärzelle. Hinten im Aufbau sind beidseitig die Abgasrohre eingebaut. Lüftungsschächte sind beidseitig im Anschluss an den Aufbau angeordnet. Sie beherbergen zusätzlich kleine Lagerräume. Zwischen den Lüftungsschächten steht der achtere Schleppbock.

Achterdeck: Dieser achtere Schleppbock steht vor dem Tunnel und trägt den Kran. Dabei handelt es sich um einen hydraulischen Palfinger Marine Knickarmkran des Typs PK 10000M mit einer zulässigen Last von 0,39t bei 12,3m Ausladung. Ansonsten ist das Achterdeck bis auf die üblichen Poller und Lüfter am Schanzkleid und einen Notausstieg völlig leer.


Brückendeck:

Das Steuerhaus steht ungefähr mittig auf dem Brückendeck. Sein Fußboden ist um 1,0m gegenüber dem Brückendeck angehoben. In dem so entstehenden Raum sind Schaltanlagen für die Brückenelektronik und Teile der Klimaanlage untergebracht. An der Vorderkante des Steuerhauses ist an beiden Deckaußenkanten je eine 6-Personen Rettungsinsel der Firma DSB montiert. Im Steuerhaus stehen links und rechts der Schiffsmittellinie zwei Bedienkonsolen. Sie tragen alle erforderlichen Bedienelemente für u.a. Ruderpropeller, Winden, Beleuchtung und Feuerlöschanlage. Zwischen den Konsolen ist vorn ein Transas Multifunktionsbildschirm mit elektronischer Seekarte angeordnet. Vertikale Anzeigekonsolen mit Lageanzeigen für die Ruderpropeller und wichtigen Motordaten sind vorn und achtern an den Fenstersprossen in Verlängerung der Bedienkonsolen befestigt. Der Kapitänssitz kann frei im Raum bewegt werden. Achtern ist über dem Treppenaufgang eine Schreibtischplatte angebracht. Die Navigationsausrüstung beinhaltet Magnetkompass, Kreiselkompass, Autopilot, zwei Radargeräte für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt, elektronisches Kartensystem, GPS, Echolot, Log und AIS. Die Kommunikationsausrüstung ist für GMDSS-A1 Standard gemäß Stand der Technik ausgeführt. Dies begrenzt den Einsatzbereich des Schleppers auf die VHF Reichweite von mit DSC ausgerüsteten Küstenfunkstationen (30-40 Seemeilen). In den hinteren Ecken stehen die beiden Schornsteine. Als Rettungs- bzw. Arbeitsboot ist ein Narwhal Festrumpfschlauchboot vorhanden. Es ist auf einer aus der hinteren Deckskante auskragenden Konsole aufgelagert. Das Boot wird durch den Palfinger Kran bewegt.


Peildeck:

Das Peildeck trägt im vorderen Bereich den Magnetkompass und einen Seematz Suchscheinwerfer, im hinteren Teil den Mast und einen weiteren Suchscheinwerfer. Der Mast trägt die zwei Radarantennen und die Navigationsbeleuchtung.


Besatzung:

Die Schlepper fahren im Hafenbetrieb mit drei Mann Besatzung.


-   Hauptabmessungen und Leistungen

Länge ü.A.: 25,00 m
Länge zw. Loten: 20,94m
Breite auf Spanten: 11,20m
Breite ü.A.: 11,60m
Seitenhöhe auf Spant: 05,25m
Tiefgang, Rumpf auf Spant: 04,45m
Tiefgang, maximal (Skeg): 05,30m
Vermessung: 308 BRZ, 92 NRZ
Hauptmaschinen: 2 x ABC Dieselmotoren des Typs 8MDZC
Leistung: 2x 1.850kW /2.516PS (gesamt 3.700kW/ 5.032PS) bei 1.000U/min
Geschwindigkeit: ca.12kn
Pfahlzug: 70t

Quellen:
Fairplay Towage Fairplay-Towage
Unie van Redding- en Sleepdienst NV (URS) URS
Bureau Veritas Veritas
Maritime Journal Maritime Journal
Astilleros Armon Video Video

The Tugworld Review 2006-2007


Für Vergrößerungen der Bilder bitte auf die Miniaturen klicken!
- -
Fairplay I Fairplay I
Fairplay I in Hamburg Fairplay I in Hamburg
Fairplay III Fairplay X-XIV
Fairplay III bei Astilleros Armon Seitenansicht Fairplay X +XIV
Fairplay X Fairplay XIV
Fairplay X in Hamburg Stapellauf Fairplay XIV
Fairplay I Fairplay X
Steuerbordansicht Aufbau Steuerbordansicht Steuerhaus
Fairplay I Fairplay X
Bugansicht Aufbau Bugansicht Steuerhaus
Fairplay X Fairplay I
Backbordansicht Aufbau Backbordansicht Steuerhaus
Fairplay X Fairplay X
Heckansicht Aufbau Heckansicht Steuerhaus
Fairplay I Fairplay X
Bugansicht Mast Heckansicht Mast
Fairplay I Fairplay I
Achterdeck MOB Boot
Fairplay X Fairplay I
Kran Schleppbock achtern
Fairplay I Fairplay X
Back Bugschleppwinde von vorn
Fairplay X Fairplay X
Steuerbordseite der Winde Backbordseite der Winde
Fairplay X Fairplay I
Hauptfahrstand Steuerbordkonsole
Fairplay X Fairplay I
Blick zum Bug Arbeitstisch
Fairplay X Fairplay X
Backbord Hauptmaschine Backbord Hauptmaschine
Fairplay X Fairplay X
MCD Kupplung Schottel Getriebe- u. Steuereinheit
Fairplay X Fairplay X
Kardankupplung Generator
Fairplay X Fairplay X
Hydraulikpumpe für Winde Lagerraum
- -