Allgemein: Die ANDRÉ-B ist ein konventioneller Schlepper mit offenem Heck und damit
der Fähigkeit, Offshoreanker zu bewegen und an Deck zu nehmen. Am Bug ist ein bis unter die Wasserlinie reichendes Schubknie mit
einem zylindrischen Gummifender von 800 mm Durchmesser der Firma Trelleborg Bakker eingebaut. Sie hat zwei Propeller in feststehenden
Kortdüsen. Hinter jeder Düse sind zwei Fischschwanz-(Schilling-) Ruder eingebaut. Steuerbord- und Backbordruder können unabhängig
voneinander bewegt werden. Dabei ist ein Ruderausschlag von 75° möglich. Die Anordnung der Propellerdüsen ist für einen konventionellen
Schlepper eher ungewöhnlich. Sie hängen frei vom Rumpf und ragen ca. einen Meter unter den Rumpfboden hinaus. Diese Anordnung
erlaubt einen größeren Propellerdurchmesser. Diese Anordnung ist eher von ASD-Schleppern bekannt. Die Düsen sind durch vom Rumpfboden
zum unteren Düsenrand führende kräftige Rundstreben gegen Grundberührung geschützt. Der Knickspantrumpf ist zwischen den Knicken
mit ebenen Blechen verkleidet. Zwischen den Knicken ist ein Schlingerkiel angeordnet. Der Bug ist eisverstärkt und ein Längsspant
verleiht zusätzlichen Schutz vor Eisbeschädigungen. Der Rumpf hat einen umlaufenden Stahlfender und wird durch LKW-Reifen zusätzlich
geschützt. Die ANDRÉ-B ist für weltweite Fahrt zugelassen. Angetrieben wird der Schlepper von zwei Mitsubishi 16-Zylinder-Dieselmotoren
vom Typ S16R-MPTK. Die Motoren haben eine Leistung von 2x 1.250kW (2x 1.700PSe) bei 1600U/min. Jeder Motor wirkt über ein Reintjes
Wende-Untersetzungsgetriebe vom Typ WAF 763 mit einer Reduktion von 5,750:1 auf einen Van Voorden Festpropeller mit 2,10m Durchmesser
in Van Voorden Düsen Typ 37. Der Schlepper erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 12,5kn. Der maximale Dauerpfahlzug beträgt 47,7t.
Die Bunkerkapazität beträgt: 120m3 Diesel, 25m3 Trinkwasser, 7,5m3 Schmutzwasser, 2,5m3
Schmieröl und 2,2m3 Altöl. Die ANDRÉ-B hat ein hydraulisch angetriebenes Bugstrahlruder der Firma Verhaar Omega Typ
VB-1100-330kW mit 330kW Leistung. Die Stromversorgung erfolgt durch zwei Mitsubishi Dieselmotoren Typ 6D16, die je einen Stamford
Generator mit 71,5kVA antreiben. Die benötigte hydraulische Leistung wird durch einen Hydraulik-Set mit Mitsubishi Dieselmotor
Typ S6A3 MPTK mit 410kW (557PS) bereitgestellt.
Backdeck:
Die Back ist am Übergang zum Achterdeck um ca. 1,15m gegenüber dem Hauptdeck angehoben.
Auf dem Backdeck ist eine hydraulisch betriebene kombinierte Anker- und Festmacherwinde von Kraaijeveld angeordnet. Sie hat
zwei Kettennüsse für 20,5mm Ketten, eine Trommel für 20mm Nylon-Festmacherleine und zwei Spillköpfen. Die Ankerwinde handhabt
zwei Anker mit hoher Haltekraft mit je ca. 430kg Gewicht. Die Ketten sind durch Kettenstopper geführt, die ins Windenfundament
integriert sind. Zwei Umlenkrollen und Poller auf dem Schanzkleid ergänzen die Ausrüstung. Hinter der Ankerwinde steht das
Deckshaus, in dem Waschräume, Kombüse und Messe untergebracht sind.
Zwischendeck:
Es liegt unterhalb des Backdecks und beherbergt die Unterkünfte. Die Einzelkabinen für
Kapitän und Chefingenieur habe ihre eigenen Nasszellen. Außerdem sind je zwei weitere Einzel- und zwei Doppelkabinen vorhanden.
Wohnbereich und Aufbau sind vollklimatisiert.
Haupt-/Achterdeck:
Hinter dem Aufbau steht die hydraulisch betriebene Schleppwinde, die von der
Schiffswerft Maaskant stammt. Sie hat nebeneinander zwei unabhängig voneinander zu betätigende Trommeln. Die Hydraulikmotoren
und Bremsen der Winde stammen von Hägglunds Drives. Sie sind mit einer GFK-Haube abgedeckt. Die maximale Zugkraft der Winde beträgt
ca. 45t, die Bremskraft ca. 78t, beide in der untersten Lage. Die Geschwindigkeit ist stufenlos zwischen 0 und 33m/min regelbar.
Die Hägglunds Motoren können bei Bedarf frei drehbar geschaltet werden, wobei eine Geschwindigkeit bis zu 600U/min möglich ist.
Die beiden Windentrommel sind unterschiedlich lang, 920mm und 520mm, und tragen 700m bzw 400m Stahldraht mit 38mm Durchmesser.
Neben der Schleppwinde sind die beiden Schornsteine mit Abgas und Zuluft plaziert. Zwischen Aufbau und Schleppwinde sind zwei
hydraulische Koppelwinden eingebaut, die auch als Beistopperwinde genutzt werden können. Hinter der Schleppwinde ist der Schleppbock
angeordnet. Die Flächen, die der Seilführung dienen, sind mit Edelstahlblechen verkleidet. Der Steuerbordpfosten des Schleppbocks
ist sehr massiv als Fundament für den Kran ausgebildet. Dabei handelt es sich um einen Knickauslegerkran der Firma Heila (Marine Cranes)
vom Typ HLRM 200-4SL mit einer Traglast von 9,5t bei der maximalen Ausladung von 15,75m. Er kann auch mit einer Funkfernsteuerung
bedient werden. Am Backbordpfosten ist ein Sicherheitsschlepphaken der Firma Mampaey mit einer zulässigen Last von 15t befestigt.
Vor dem Backbordpfosten, leicht nach außen versetzt, befindet sich ein hydraulisch betriebenes Spill mit einer Zugkraft von 5t bei 12m/min.
Hinter den Pfosten sind liegende Rollen zur Führung der Koppeldrähte eingebaut. Hinter dem Schleppbock bis zur breiten Heckrolle
ist das Achterdeck mit Holz belegt und hat eine freie Fläche von 120m2. Es sind Befestigungen für zwei 20' Container
vorhanden. Vor der Heckrolle sind zwei Schlepppfosten und ein Fork eingebaut. Sie stammen von WK Hydraulics wie auch die beiden
Begrenzungspfosten am Rande der Heckrolle. Alle Teile einschließlich der Heckrolle haben eine zulässige Last von 30t.
Tanktop Deck:
Unterhalb des Wohnbereichs sind auf dem Tanktop Deck ein Lagerraum mit Regalen und
Kühl- und Gefriereinrichtungen untergebracht. Dahinter schließt sich unter dem Hauptdeck der Maschinenraum an. In ihm sind die
Hauptmaschinen, Generatorsets, Hydraulikset, verschiedenen Pumpen und eine Trinkwasseraufbereitung mit einer Tagesleistung von
3,5m3 untergebracht. Einer der Generatorsets ist mit einer zusätzlichen Kühlung für den Hafenbetrieb ausgerüstet.
Dahinter liegt ein Lager- und Werkstattraum gefolgt von einem Raum mit der maschinentechnischen Einrichtung für die Pins und
Fork sowie der Ruderanlage.
Brückendeck:
Es ist das Deck oberhalb des Backdeck und beherbergt das Steuerhaus. Der für Ein-Personenbetrieb
ausgelegte Hauptfahrstand ist im Vorderteil des Steuerhauses angeordnet. Er ist U-förmig angelegt und über einen Sessel auf
Gleitschienen zugänglich. Es wurde viel Wert darauf gelegt, die Kommunikationseinrichtungen ohne Benutzung der Hände bedienen
zu können. Dementsprechend sind sie mit Schwanenhalsmikrofonen und Fußschaltern ausgerüstet. Ein weiterer Fahrstand mit Blick
auf das Achterdeck ist an der Rückwand des Steuerhauses eingerichtet. Er ist in zwei Konsolen aufgeteilt und enthält die wichtigsten
Steuerelemente für die Ruder- und Maschinenanlage sowie die Winden. An Steuerbord ist neben und hinter dem Hauptfahrstand eine
großzügige Sitzgruppe mit Tisch eingebaut, an Backbord die Kommunikationskonsole. Die Navigationsausrüstung besteht u.a. aus
zwei Japan Radio Co. (JRC) Radargeräten, eines mit ARPA-Funktion (Automatic Radar Plotting Aid) und eines als Flussradar, Echolot,
DGPS, Kreiselkompass Alphatron Minicourse, Magnetkompass von Cassens & Plath, Satellitenkompass von JRC, zwei Autopiloten,
AIS System von JRC und ein Alphatron ECDIS-Kartensystem (Electronic Chart Display and Information System). Die Kommunikationseinrichtungen
entsprechen GMDSS- (Global Maritime Distress and Safety System) Standard für den Bereich A3 (weltweit) und besteht u.a. aus folgenden
Geräten der Firma Sailor: zwei VHF Funkgeräte mit DSC- (Digital Selective Calling) Funktion, ein MF/HF Gerät, ein Binnenfunkgerät
und zwei Inmersat-C Stationen. Zusätzlich sind GSM Mobiltelefon, ein Mini-M Satellitentelefon und ein JRC Navtex-Receiver vorhanden.
Peildeck:
Auf dem Peildeck sind der Magnetkompass, verschiedene Antennen, der Mast und zwei
12-Personen Rettungsinseln untergebracht. Der Mast trägt die zwei Radargeräte, zwei Suchscheinwerfer, die Navigationslampen
und an der Spitze acht 1000W Flutlichtlampen zur Decksausleuchtung bei Nachtarbeit. Der Mast kann oberhalb des ersten Radargeräts
abgeknickt werden, um die Höhe für Brückendurchfahrten zu verringern.
Besatzung:
ANDRÉ-B hat im 24 Stundenbetrieb eine Besatzung von fünf Personen.
Unterbringungsmöglichkeiten gibt es für acht Personen.